Die Grundlagen des Human Design Systems
Nachdem wir im letzten Beitrag einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Human Design Systems geworfen haben, stellt sich nun eine weitere spannende Frage:
Worauf basiert Human Design eigentlich?
Das Human Design System setzt sich aus vier jahrtausendealten Weisheitslehren zusammen, die miteinander verbunden und zu einem eigenständigen System weiterentwickelt wurden. Ergänzt werden sie durch Erkenntnisse aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen, auf die wir im nächsten Beitrag noch genauer eingehen werden.
Zu den vier Weisheitslehren gehören:
- das I Ging
- die Astrologie
- die Chakrenlehre
- die Kabbala
Wichtig ist dabei aber: Human Design ist weder Astrologie, noch Chakrenlehre, Kabbala oder I Ging. Es nutzt zwar Elemente dieser Lehren, steht aber als eigenständiges System für sich.
Schauen wir uns die vier Weisheitslehren nun einmal etwas genauer an.
Das I Ging – Das Buch der Wandlungen

Das I Ging gilt als eines der ältesten Bücher der Menschheit. Sein Ursprung reicht mehrere tausend Jahre zurück ins alte China und bis heute wird es als bedeutender philosophischer Text geschätzt.
Ursprünglich diente das I Ging als Orakel. Schon chinesische Kaiser sollen es vor wichtigen Entscheidungen befragt haben. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Werk durch Kommentare großer Gelehrter wie Konfuzius oder Laotse ergänzt und entwickelte sich zu einem zentralen Bestandteil der chinesischen Philosophie.
Im Mittelpunkt des I Ging steht die Erkenntnis, dass sich alles ständig verändert. Nichts bleibt für immer gleich. Das Leben befindet sich in einem fortwährenden Wandel und genau darin liegt seine natürliche Ordnung.
Vielleicht kennst du auch das bekannte Symbol von Yin und Yang. Es stammt ebenfalls aus dieser Philosophie und beschreibt zwei scheinbare Gegensätze, die sich gegenseitig ergänzen. Licht und Dunkelheit, Ruhe und Bewegung oder das weibliche und männliche Prinzip existieren nicht unabhängig voneinander, sondern bilden gemeinsam ein Ganzes.
Aus dieser Philosophie entstanden die 64 Hexagramme des I Ging.
Das I Ging basiert auf acht sogenannten Trigrammen, die jeweils aus drei Linien bestehen. Ein Hexagramm setzt sich aus zwei Trigrammen zusammen: dem unteren Trigramm, das die innere Welt symbolisiert, und dem oberen Trigramm, das für die äußere Welt steht.

Durch die Kombination der acht Trigramme entstehen insgesamt 64 verschiedene Hexagramme.
Genau diese 64 Hexagramme finden wir auch im Human Design wieder. Dort werden sie als 64 Tore bezeichnet. Jedes Tor steht für ein bestimmtes Potenzial oder Lebensthema und wird durch die Stellung der Planeten aktiviert.
Dabei verwendet Human Design allerdings nicht das ursprüngliche I Ging, sondern eine weiterentwickelte Interpretation, das sogenannte Rave I Ging.
Die Astrologie
Die Astrologie begleitet die Menschheit bereits seit Jahrtausenden. Schon frühe Kulturen beobachteten den Himmel und stellten fest, dass sich bestimmte Zyklen immer wiederholen. Daraus entstand die Annahme, dass die Stellung der Sonne, des Mondes und der Planeten mit den Erfahrungen und Eigenschaften des Menschen in Verbindung stehen könnte.

In der klassischen Astrologie entsteht anhand des Geburtszeitpunkts ein Geburtshoroskop. Es zeigt die Positionen der Himmelskörper zum Zeitpunkt der Geburt und dient als Grundlage für astrologische Deutungen.
Auch Human Design nutzt die astronomischen Berechnungen der Astrologie. Die Stellung der Sonne, des Mondes und der Planeten bildet die Grundlage dafür, welche Tore innerhalb der Human Design Chart aktiviert werden.
Dabei fließen zwei Zeitpunkte in die Berechnung ein: der genaue Moment der Geburt sowie ein weiterer Zeitpunkt etwa 88 Sonnengrade beziehungsweise ungefähr 88 Tage davor. Daraus entstehen die bewussten und unbewussten Anteile des eigenen Designs.
Die Astrologie bildet somit eine wichtige Grundlage für die Berechnung einer Human Design Chart, wird im System jedoch auf ihre ganz eigene Weise genutzt.
Die Chakrenlehre

Der Begriff Chakra stammt aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt so viel wie „Rad“.
Gemeint sind damit Energiezentren im menschlichen Körper, die nach der traditionellen indischen Lehre Energie aufnehmen, verarbeiten und wieder abgeben.
Jedes Chakra wird mit bestimmten Lebensthemen, Eigenschaften sowie körperlichen Bereichen in Verbindung gebracht. Gemeinsam bilden sie ein Energiesystem, das unsere Wahrnehmung und unser Erleben beeinflussen soll.
In der klassischen Chakrenlehre wird von sieben Chakren gesprochen.
Human Design greift diesen Gedanken auf, entwickelt ihn jedoch weiter. Hier wird nicht mehr von sieben, sondern von neun Zentren gesprochen.
Nach der Lehre von Ra Uru Hu hat sich der Mensch im Laufe der Geschichte weiterentwickelt und damit auch sein energetisches System verändert. Aus dieser Sichtweise entstanden die neun Zentren des Human Design.
Dabei ist wichtig zu verstehen, dass die Zentren nicht einfach die sieben Chakren ersetzen. Sie bilden vielmehr ein eigenes System mit einer eigenen Bedeutung und einer anderen Betrachtungsweise von Energie.
Die Kabbala
Die Kabbala ist eine jahrhundertealte mystische Tradition des Judentums. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie das Universum aufgebaut ist und welche Verbindung zwischen dem Menschen und dem großen Ganzen besteht.
Eines ihrer bekanntesten Symbole ist der Lebensbaum. Er beschreibt verschiedene Bewusstseinsebenen und zeigt, wie die unterschiedlichen Kräfte des Universums miteinander verbunden sind.
Im Mittelpunkt steht dabei die Vorstellung, dass der Mensch den Makrokosmos, also das große Ganze, im Kleinen widerspiegelt. Alles ist miteinander verbunden und beeinflusst sich gegenseitig.

Auch im Human Design findet sich dieser Gedanke wieder.
Die Verbindungslinien zwischen den Zentren, die wir als Kanäle kennen, erinnern an die Pfade des kabbalistischen Lebensbaums. Sie stehen für energetische Verbindungen und beschreiben, wie unterschiedliche Potenziale miteinander zusammenwirken.
Mehr als die Summe seiner Teile
Wenn man sich die einzelnen Weisheitslehren anschaut, wird schnell deutlich, dass Human Design aus vielen unterschiedlichen Einflüssen entstanden ist.
Genau deshalb wäre es jedoch zu einfach, Human Design lediglich als Mischung aus Astrologie, I Ging, Chakrenlehre und Kabbala zu bezeichnen.
Es ist eine eigenständige Synthese und verbindet diese auf eine ganz eigene Art miteinander.
Doch damit endet die Grundlage des Human Design noch nicht. Neben den jahrtausendealten Weisheitslehren greift das System auch verschiedene Erkenntnisse und Begriffe aus modernen wissenschaftlichen Disziplinen auf. Welche das sind und welche Rolle sie innerhalb des Human Design spielen, zeige ich dir im nächsten Beitrag. 😊

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